Yarebap – hier war er ja eher selten gewesen. Damals, in
Kriegszeiten manchmal, aber sonst. Naja – aber letztlich eine
Station wie viele andere auch.
Seine Stiefel klackten über den Boden, während er durch die
Gänge lief. Dann hatte er die Tür gefunden und betrat den Raum.
Pierre trat in den mit gedimmten Licht und leicht gelblich
beleuchteten Raum. Er war groß, durchaus 30 m² groß. Die ihm
gegenüber liegende Wand war de facto ein großer Bildschirm, der
einen Blick hinaus in das Weltall gewährte. Wahrscheinlich Yarebap
selbst, der Sonne nach zu urteilen. Im Zentrum war eine
Sofalandschaft ausgebreitet, dazu ein großer Tisch. Eliara schaute
ihn schon nachdenklich an, Yanis ignorierte ihn und tippte auf seinem
Pad herum.
„Hallo“ meinte Pierre nur lakonisch.
Eliara nickte ihm nur kurz zu, beobachte ihn aber weiter, wie er
den Raum betrachtete.
Zu seiner Rechten war eine Bar, zu seiner Linken hingen einige
Bilder, die sich auch über die anderen Wände verteilten.
„Hey ho.“ meinte er nur kurz, während er sich schon nach
Rechts wandte und hinter die Bar ging.
Er suchte kurz und fand auch, was er suchte.
Ein hohes Glas.
Weißwein – hm, aus Aldilur, ok...
Er roch daran – recht intensiv, würzig. Aber welche Gewürze,
war ihm schleierhaft. Naja, es war einen Versuch wert.
Grüner Quafe. Ein Schuss Gin. Ein Schuss Wodka.
Fertig.
Mit seinem Getränk ging er hinüber zu den anderen und setzte
sich.
„Naja – dann los...“, meinte er nur, zu Eliara und Yanis
blickend.
Gut zwei Stunden später hatte jeder einen Standpunkt vertreten.
Vor- und Nachteile abgewägt.
In Manchem war man sich einig. In anderen Punkten nicht. Was aber
zu erwarten war.
Eliara fasste es mit einem Seufzer nochmals zusammen.
„Tja, also letztlich – Yanis will bleiben. Hier und im
HighSec.“ Dieser nickte kurz.
„Pierre will hier weg. Und auch aus dem HighSec gehen. Und
ich... Ich weiß es nicht. Wirklich nicht. Pierre hat sicherlich klar
gemacht, dass wir alle weiter das tun und lassen können, was wir
wollen, auch wenn wir den HighSec verlassen. Und Yanis hat klar
gemacht, dass Pierre hier im HighSec all das machen kann, was er mag.
Oder zumindest von einer Operationsbasis im HighSec aus. Aber wir
sind uns einig, dass wir als duMonde zusammen bleiben werden und die
Dynastie dieser Familie weiter führen werden, richtig?“
Yanis winkte nur bestätigend mit seiner Hand, während er auf dem
Pad irgendwas las. Pierre konnte es nicht erkennen –
Börsennachrichten bestimmt.
Pierre nickte nur kurz dazu.
„Tja, jetzt fühle ich mich wie das Zünglein an der Waage. Na
toll...“
Es war an der Zeit, seinen letzten Trumpf auszuspielen...
Pierre holte ebenfalls ein Pad hervor. Dabei fragte er Eliara:
„Hast du bei deinen Kontaktaufnahmen etwas erreicht?
Perspektiven, Aussagen? Irgendwas?“
Eliara schaute ihm in die Augen, schüttelte dann aber leicht den
Kopf.
Pierre nickte langsam.
„Ich schon. Hier, bitte.“ und übergab ihr damit sein Pad.
Sie hob eine Augenbraue, dann begann sie zu lesen.
Zwischenzeitlich fragte sie, ohne mit dem Lesen aufzuhören: „Wer
ist dieser Kaylin Briggs?“ beziehungsweise „Wer ist dieser
Neovenator?!“
Nach einer Weile schaute sie wieder auf. Pierre hatte sich derweil
den zweiten „Wild Rose“ gemacht. Eliara gab das Pad weiter und
Yanis begann zu lesen.
„Naja, dann folgt halt diesmal die Familie dir, Mr. Pierre
duMonde … Aber wenn es scheiße wird, bist du Schuld!“
Ganz leicht konnte Pierre ein Lächeln bei Eliara erkennen.
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Donnerstag, 26. November 2015
Donnerstag, 11. September 2014
[Pierre & Eliara] Fleet Missions
Pierre
Tja, mein
Schwesterchen-Nach-Recht hat sich ja als nun Cheffin der ach so
tollen Familie duMonde eine Corp mit anderen Kapselpiloten gesucht,
um dort ihr neues Imperium aufzubauen. Große Pläne und so.
Wen's interessiert. Mich
weniger.
Bis jetzt.
KI, spiel die Nachricht
doch nochmal ab!
Hallo Pierre! Sag mal, du interessierst dich doch für diese Aufträge der Agenten, hm? Weil, naja, einige meiner Freunde hier wollen wohl gemeinsam einige der profitableren Aufträge gemeinsam angehen. Und sie hätten kein Problem, wenn mein Brüderchen, also du, dich da dazu gesellen würdest! ISK kannst doch gebrauchen, oder? Und auch was lernen. Fliegen wohl riesige Schlachtschiffe! Ist wohl auch für die Empire Familie – du weißt, die in Amarr. Wenn die unseren Namen zumindest mal kennen würden...
Naja, überlegs dir! Küsschen!
Manchmal kann ihre gute
Laune echt anstrengend sein – aber schlecht klingt das nicht.
Schlachtschiffe. In einer Flotte. Für die ganz großen Agenten. Und
ISK.
Aber es ist auch
gefährlich. Müsste ich mich in meiner Thorax zurückhalten...
Aber hey – davor
schrecken wir jetzt mal nicht zurück. Im Zweifelsfalle ist Eliara
Schuld und muss mir ne Neue kaufen!
Wenige Tage später dann
ist es soweit – durch Eliaras Einfluss bekomme ich dann auch eine
Einladung zu der Flotte und schaue mir die Schiffe einmal näher an.
Wow. Golem-Klasse! Und
noch ein Maraudeur der Paladin-Klasse! Sowie ein
Amarr-Schlachtschiff. Dem äußeren nach zu urteilen. Die KI erkennt
es sofort als Schiff der Abaddon-Klasse. Das ist eine Flotte, die
reichen würde, ganze Planeten zu nehmen! Wer will das denn
aufhalten? Ha, das wird ein Spass!
Gemeinsam wird sich
abgesprochen und ein erstes Versteck der Piraten aufgesucht. Dieses
ist tatsächlich sehr gut verteidigt, schnell tauchen nicht nur
Kreuzer und Fregatten, sondern auch einige Schlachtschiffe auf!
Während ich mich vornehmlich der Fregatten annehme, beginnen die
Schlachtschiffe mit ihrem Feuerwerk – und in kürzester Zeit sind
Schiff um Schiff nur noch Wracks. Beeindruckend! Solcherlei will ich
auch fliegen können!
Es ist nicht einfach,
immer in Bewegung zu bleiben und nicht zu viel Aufmerksamkeit der
dicken Dinger auf mich zu lenken. Aber meist gelingt mir dies.
Wirklich gut.
Puh, war das knapp!
Ja, hat sich gelohnt! Gar
nicht so doof, diese Leute hier...
Eliara
Schau mal einer an – der
Pierre hat sich doch tatsächlich auf mein Angebot mit der Flotte
eingelassen. Gut gut, hoffentlich freundet er sich da mal mit einigen
hier an. Macht mir machmal echt Sorgen, dieser sture Einzelbrödler.
Aber den bekomm ich auch noch überzeugt.
Und neben recht fröhlicher
Bewertung schickt er sogar noch einige Aufnahmen mit! Mal schauen...
Riesig, diese Schiffe.
Wenn der Pierre wüsste, wie schwer es ist, solch ein Moloch in den
Warp zu bekommen... Aber ihn interessiert ja wohl mehr das ISK. Und
das Prahlen danach. Naja, soll er.
Und Kämpfe. Wracks. So
viele Wracks. Wieviele Hunderte, nein Tausende wohl allein auf einem
der Schlachtschiffe arbeiten? Und die meisten dort sterben. Im
Beschuss dieser Kapselpiloten. So schlimm. So falsch. Und dann
wundert man sich, dass sie uns hassen? Wir einen Ruf als Mörder
haben? Denn letztlich, letztlich sind wir es dann doch!
Das sind keine Wunderwerke
unserer Technologie – vielmehr sind es Dämonen des Todes! Raketen,
wie hungrige Mäuler sich durch diese angeblich so bösen Feinde
fressend. Sie glauben wahrscheinlich, es mit Piraten, Monstren mit
seltsamen Rieten, Verbrechern und sonstigem zu tun zu haben – aber
letztlich sind es Menschen! Feige, sie abzuurteilen, ohne sie zu
kennen!
Und am Ende bleiben nur
Wracks und Leichen!
Boah, bin ich wütend!
Wenn ich diese Kerle unter die Finger bekomme, können Sie sich was
anhören!
Dienstag, 15. Juli 2014
[Eliara] Der Weg 02
Eliara lehnte an der metallenen Wand
und sank zusammen. Ihre Sicht verschwamm, dunkle Schatten umrahmten
sie. Ihr Herz schlug so schnell, dass es es eher einem zuckenden,
wimmernden und schmerzenden Etwas wurden denn ihr ihr sonst so
bekanntes Herz. Sie zitterte am ganzen Leib. Fror und schwitzte
gleichzeitig.
Panikattacke! Die letzte war schon
verdammt lange her! Sie versuchte, dagegen anzukämpfen, aber
vergebens. Sie ... brauchte ... dringend …
Sie fand die Schachtel. Verlor sie
wieder. Der Körper war ein Fremdkörper geworden. Irgendwie schaffte
sie es dennoch. 2 Tabletten. Erlösung. Rettung. Als diese anfingen,
zu wirken, nahm sie nach und nach ihr Umfeld wieder war. Genau, sie
hatte sich in eine Toilette geflüchtet. Dort hinten war noch ihre
Tasche. Sie selbst lag noch auf dem Boden, um sie herum die Perlen
ihrer Kette, die nun nicht mehr war. Dazu überall die Tabletten. Die
Schachtel, kaputt.
Mühsam erhob sie sich, ging zum
Waschbecken und schöpfte sich etwas Wasser in ihr Gesicht. Wollte
nicht in den Spiegel schauen. Tat es aber doch. Das Maskara war durch
den Schweiß – oder das Wasser des Waschbeckens – etwas
verschmiert. Muss neu gemacht werden.
Langsam entfernte sie das MakeUp. Der
Körper gehorchte wieder. Meistens. Das Zittern ließ langsam nach. Machte das MakeUp aufbereiten nicht einfacher. Dann räumte sie den Boden auf. Richtete ihre Kleidung neu.
Schaute wieder in den Spiegel, sich auf
das Waschbecken stützend. Ihre Augen lagen in dunklen Höhlen. Gott,
sah sie zerstört aus. Sie suchte das MakeUp heraus und begann, sich
etwas herzurichten. Nach vielleicht 10 Minuten gab sie auf, es würde
nicht besser werden. Sie sah immer noch furchtbar aus. Aber sie
wusste nicht, wie lange sie hier war. Sie musste weiter. Jetzt.
Langsam, zaghaft fasste sie sich über
die Schulter an ihren Rücken. Fühlte das Metall. Zuckte wieder
zurück. Ob die Attacke von den Medikamenten kamen? Die Operation war
erst gestern geschehen. Das Kribbeln hatte zu guten Teilen aufgehört.
Irgendwann, sie wusste nicht genau, wann. Es war auf jeden Fall jetzt
weniger. Naniten, hatten die Ärzte gesagt. Um die Heilung zu
fördern. Metall, in ihrem Körper. Verbunden mit ihrem Rückenmark.
Ihrem Gehirn. Und was nicht noch alles. Unerklärlicherweise hatte
sie nachwievor … Angst. Angst vor diesen … Dingen in ihrem
Körper. Angst vor dem, was noch kommen würde. War sie eigentlich
noch ein Mensch? Oder irgend etwas anderes?
Aber es gab kein Zurück mehr. Musste
weiter gehen. Die Ärzte hatten gesagt, dass es notwendig war. Dies
zu testen. In Realität.
Und sie warteten nun bestimmt schon auf
sie. Also los!
Sie verließ den Raum. Aber Angst,
Angst hatte sie immer noch.
“Miss duMonde” grüßte sie der ihr
noch unbekannte Mann und sie schüttelten sich die Hände. Ihre Hände
waren bestimmt verschwitzt, aber die Hände dieses Mannes übertrafen
die ihren definitiv. Mit leichtem Ekel wischte sie sich dezent ihre
Hände ab, was er nicht zu bemerken schien. Sie hatten selten
jemanden gesehen, der so dick war. Und verschwitzt. Und alt. Und
eklig.
“Und, sind sie soweit? Ich bin der
technische Leiter dieses Tests, Doktor Elon wartet bei der Kapsel
schon auf sie. Bleiben Sie ruhig und machen sie sich keine Sorgen, es
wird alles ganz wunderbar laufen. Nie was passiert bis jetzt. Dort
drüben befindet sich eine Umkleidekabine.” Er nickte
ihr aufmunternd zu, und sie kam nicht umhin, zu bemerken, dass sein
Blick etwas zu lange auf ihr verharrte.
Angeekelt wendete sie sich ab, noch ein
kurzes “Danke” murmelnd. Furchtbar! Schnell verschwand sie hinter
der Umkleide, wo sie ihre Kleidung ablegte und gegen dieses hautenge,
immer wieder unangenehme Ding tauschte. Alles zu? Ok - nur weg hier!
Ohne sich weiter umzusehen, folgte sie dem Wegweisern und stand kurz
darauf in einem kleinen Hangar. Ein Frachthangar, wie es ihn
eigentlich viele gibt. Nur hier befand sich in der Mitte eine Art
Podest, in der die dort verankerte Kapsel mit Klammern gehalten
wurde. Mit rund 4 Metern Durchmesser war sie nicht sehr groß. Eliara
empfand sie sogar als winzig. Da sollte sie hinein?! Und dann hinaus
ins Weltall?!
Kurz überlegte sie nochmals, einfach
umzudrehen und wegzulaufen. Wurde aber doch unterbrochen.
„Ah, da sind sie ja endlich. Ganz
wunderbar, dann können wir sogleich beginnen.“ Die Stimme kam von
hinter ihr – und über ihr. Eliara drehte sich und sah von einer
erhöhten Plattform - unter der das Schott war, durch das sie gerade
hierher gelangt war - einen Mann zu ihr hinunter schauen. Leicht
graue Haare ließen auf ein Alter zwischen … vielem schließen. Man
weiß ja nie.
„Ich bin Aris Eron, sehr erfreut.
Ihnen geht es gut? Aufgeregt?“ Leichte Panik machte sich wieder
breit. Wusste er etwas? Bemerkte er etwas? Seine ruhigen, auf ihr
ruhenden Augen hatten aber etwas … beruhigendes. Fast verstehendes.
Eliara lächelte ihn vorsichtig an und nickte.
„Ja, ziemlich...“ meinte sie nur.
„Das ist gut, sollte man in einem
solchen Moment auch sein. Dann bleibt er auf ewig in ihrem Gedächtnis
– was ja dann wohl einiges heißen sollte, nicht wahr?! Aber ich
kam noch nicht dazu, die letzten Vorbereitungen abzuschließen, sie
sind etwas zu früh dran. Schauen sie sich um, bis ich fertig bin!“
Seine ruhige, sonore Stimme beruhigte
Eliara weiter. Fast, wie wenn ihr Vater mit ihr reden würde. Es tat
gut. Sehr.
Sie nickte kurz zu und beobachtete
einen Moment, wie er wieder hinauf auf das Podest ging und dort
weiter irgendwelche Dinge tat.
Ihr Blick ging wieder hinüber zur
Kapsel. Schaute sie an. Ein Gedanke blitzte auf. Diese Kapsel würde
nicht nur viel ihres zukünftigen Lebens bestimmen. Definieren. Nein
– nicht nur das. Es war sogar Ihre. Ihr gehörende. Ihre Kapsel!
Langsam ging sie hinüber, umrundete
sie einige Male. Panzerung, so legiert, dass sie trotz ihrer
geringen Dicke dem meisten, was das Weltall zu bieten hatte, trotzen
konnte. Zumindest, wenn nicht darauf geschossen wurde... An der
Seite, auf vielleicht 1 Meter Höhe, befand sich eine verschlossene Klappe.
Eliara ging darauf zu, begutachtete sie kurz. Wartungseinschub? Sie
sah kein Schloss oder eine Verriegelung irgend einer Art. Kurzes
Schieben und drücken – nichts. Einer Eingebung folgend legte sie
ihre Hand darauf. Es machte kurz klick – und öffnete sich. Kurze
Glücksgefühle durchströmten sie, während sie das Innere dessen
betrachtete. Hauptverteiler und Sicherungen. Ein Display, was sich
aufhellte und eine grobe Verdrahtung darlegte. Sie begann, damit zu
spielen. Leistungsdaten des Reaktors – nett. Aufzeichnung
bisheriger Grenzfälle – keine. Neu gebaut?! Daten zur internen
Rechenleistung – echt jetzt?! Diese Rechenleistung war enorm! Auf
nur 4 Metern Durchmesser?! Woher?! Wofür?! Ach, halt – wofür. Da
gab es ja diesen Punkt der Übertragung ihres Bewusstseins. Stimmt
wohl... Macht irgendwie dennoch ... Gänsehaut!
„Herr Eron, was ist das für ein
Rechensystem in dieser Kapsel? Ist ja enorm für so wenig Volumen!“
rief sie hinter sich. Und durchstöberte weiter die Daten.
Lebenserhaltende Systeme. Eine Menge darüber... Flüssigkeitsstand
und Reserven. Temperaturen. Drücke. Speicherkapazitäten. Sogar Daten über
Systeme im Universum.
Eine Hand legte sich auf ihre Schultern
und Eliara schreckte kurz zusammen.
„Wollen wir?“ meinte Aris zu ihr.
Sie beruhigte sich wieder und nickte, während sie seine Worte erst
noch realisierte.
„Gut, dann los.“ meinte er und
deutete auf eine Stelle, die ihr bis jetzt nicht aufgefallen war.
Aber aus der direkten Nähe konnte sie erkennen, dass dort
anscheinend ein in die Außenwand eingebettetes Schott war. Eine Tür,
nahezu perfekt übergehend in die Außenwand der Kapsel. Kurz blickte
sie zu Aris, dieser nickte sie nur kurz und mit einem wärmenden
Lächeln an. Sie berührte das Schott mit ihrer Handfläche. Kühl.
Kurz darauf aber begannen Geräusche nach außen zu dringen. Das
Schott schob sich nach vorn und zur Seite und ein Sitz fuhr nach
außen. Dazu konnte man einen Blick in das innere erhaschen – was
wenig mehr war als Platz für den Sitz selbst und metallene Wände.
Und dieser Sitz sah verdammt unbequem
aus!
Nichts desto trotz begann Aris, ihr
einige Dinge zu erklären.
„Hier links sind einige Taschen. Ein
weitere Anzug hat hier Platz. Dort sind Nahrungskonzentrate. Hier auf der
rechten Seite befindet sich ein Notfall-Bedienfeld. Unter dem Sitz
befestigt ist ebenfalls eine Tasche – die meisten Kapsuler nutzen
sie für Waffen. Naja, Kapsuler halt. Allemal, hier hinter dem Sitz
ist der Anschluss zum Schiff. Sozusagen ihre Verbindung mit der
Kapsel und über diese mit dem Schiff selbst, in welches die Kapsel
in der Regel eingebettet ist. Aber nicht heute, heute testen wir nur
einmal die grundsätzliche Funktionsfähigkeit der Verbindung und der
Kapsel selbst. Schiffe kommen später!“ Kurz zwinkerte er ihr zu
und sie ertappte sich dabei, zu lächeln.
Er deutete vorsichtig auf den Sitz und
nach kurzem Zögern setzte sie sich darauf. Kurz darauf war sie dank
Aris fest verzurrt mit dem Sitz selbst und er trat einen Schritt
zurück.
Unsicher beobachtete sie die Umgebung,
die Kapsel, Aris, den Sitz, sich selbst.
Ihr war flau im Magen. Sehr.
Aris tat einen Schritt zurück,
musterte noch einmal alles und nickte kurz vor sich her.
„Sehr gut, alles fertig. Ich werde
sie jetzt verbinden und danach den Hangar verlassen. Viel Glück
Ihnen, Miss duMonde!“
Ohne große Umschweife trat er neben
sie und fing an, hinter ihr zu hantieren. Oh Gott!!! Ihr Finger fing
wieder an zu zittern. Sie wollte schauen, was er tat, konnte aber
nicht. Wollte sich auch nicht verraten.
Und da stand er auch schon wieder vor
ihr, strahlend.
„So, das war's. Alles wunderbar, bis
gleich!“
Ohne weitere Worte wand er sich um und
ging hinaus.
Irritiert und verwirrt bewegte Eliara
ihren Kopf etwas – und tatsächlich. Leicht bemerkte sie, wie mit
ihrem Körper nun etwas verbunden war. Aber nur wenig – konnte sie
sich doch kaum bewegen in dem Sitz. Sonst merkte sie nichts. Seltsam.
Aris war noch nicht ganz aus dem
Hangar, da begannen im Schiff wieder Geräusche zu ertönen. Der
Generator sprang an und ehe Eliara es ganz realisieren konnte, schob
sich ihr Sitz – und sie mit ihm – in die Kapsel hinein und das
Schott schloss sich. Dämmriges, hellblaues Licht erfüllte nun das
Innere.
Eliara versuchte, sich zu beruhigen.
Denk an die Übungen! All die Übungen! Simulationen! Das hier ist
ganz gleich! Genau so! Also mach es genau so!
Nur – war es real ….
Im gleichen Moment wurde Flüssigkeit
in den Innenraum gepumpt. Schnell – verdammt schnell. Ehe Eliara
sich versah, war es auf Brusthöhe und ehe sie aufschreien konnte,
war der Innenraum komplett gefüllt damit.
Was sie nicht davon abhielt, zu
schreien. Panik machte sich wieder breit. Sie versuchte, den Sitz zu verlassen. Vergebens. Bekam keine Luft mehr.
Würde ersticken!
Nein, würde sie nicht! Die Reflexe
ihres Körpers bekämpfend, versuchte sie sich verzweifelt, etwas zu
beruhigen.
OK, atmen. Wie in den Übungen. Erst
alles raus, jeden Rest Luft. Yup, das hat der Schrei erledigt. Dann
rein. Langsam.
Langsam(er) holte sie etwas „Luft“.
Zu schnell, langsamer! Noch langsamer, gegen den Druck ihrer Lungen
ankämpfend, füllte sie ihre Lungen mit der Flüssigkeit. Und
begann, zu atmen. Ein. Aus. Ein. Aus. Gut so! Wie in den Übungen!
Sehr gut!
Nach einigen Momenten hatte sie sich
beruhigt. Das wäre geschafft. Wie weiter?
„Eliara.“ Die Stimme von Aris –
woher? Lautsprecher?
„Ich werde jetzt die Verbindung
zwischen dir und dem Schiff einleiten. Bleibe einfach ruhig. Es kann
nichts passieren, wir sehen hier alles und können immer eingreifen.“
Kurz überlegte sie, ob sie etwas
antworten sollte.
Im nächsten Moment war sie im nichts.
Leere umfüllte sie. Nichts als dunkle Leere.
„Synchronisierung abgeschlossen.“
Der Hangar. Sie war zurück im Hangar.
Stand inmitten der Brüstung, in der die Kapsel gewesen war. Nur das
Licht war anders. Heller. Die Wände hatten mehr Schattierungen. Und
– waren leicht schimmernd. Durchsichtig? Durchsichtig! Wie war das möglich? Sie
konnte plötzlich einfach so durch einige Schichten an Wänden
hindurch sehen!
Dann realisierte sie den Vorgang.
Sensoren unterschiedlichster Art. Kameras. Infrarot. Ultraschall.
Radar. Die Kapsel übersetzte all dies in ihr bekannte Informationen.
Ließ sie „sehen“, „hören“ und „riechen“.
Sie drehte sich um sich selbst, den
Hangar beobachtend. Das Gerüst um sie herum viel dabei auseinander.
Ihr war dies egal. Auch wenn sie das Gerüst auf irgend eine Art und
Weise „fühlen“ konnte. Sie konnte so viel mehr sehen!
Stromleitungen, gleißend hell. Schilde hinter den Schotten. Entfernt
- Menschen. Aris! Sie wusste einfach, wo er ungefähr war!
Unglaublich!
Sie wollte hinaus! Ins Weltall! Wo war
der Ausgang – dort, das Schott!
Sie schwebte darauf zu.
Schwebte! Seltsam. Warum war sie
eigentlich noch sie selbst? Ihr Körper? Wenn sie doch...
Im nächsten Augenblick schon schwebte
dort die Kapsel im Raum. Sie war die Kapsel geworden. Wie seltsam. Aber hey!
Aber wie weiter? Das Schott – wie auf
bekommen?
Ein Signal senden...
„Schotten, öffnet euch!“ rief sie
den Schotten entgegen – und diese gehorchten! Sie öffneten sich!
Schnell bewegte sie sich hindurch, wusste irgendwie dass nur wenige
Zentimeter Platz zwischen ihr und den Schotten waren.
Hinaus! Die nächsten Tore öffnete sie
nur noch lässig mit einer Handgeste – auch das schien die Kapsel
zu verstehen und zu übersetzen.
Und dann war sie hinaus. Aus der
Station. Im Weltall.
Und sah dieses in einer Fülle, die
kein normaler Mensch je sehen würde ...
Donnerstag, 5. Juni 2014
[Eliara] Der Weg 01
Das Dronentaxi bewegte sich zügig
durch den Verkehr, während Eliara kurz hinaus schaute. Mies III
zeigte sich von seiner besten Seite – strahlend blauer Himmel
schien auf die Millionenstadt herab und sie glitten gerade über
einer größeren Parkanlage hinweg, in der wohl ein Fest oder ein
Konzert statt fand. Aber dafür hatte sie leider keine Zeit – und
überraschenderweise auch wenig Lust. Irgend etwas war am vorgehen –
und sie wusste nicht, was. Furchtbar, ihr linker Finger zitterte
schon wieder seid einigen Tagen deswegen. Manchmal. Ihre Neugier und
Aufgeregtheit hatte da manchmal seltsame Auswüchse. Naja - es würde
sich wohl hoffentlich bald lösen.
Aber noch war es nicht so weit. Sie
konzentrierte sich wieder auf das Hologramm ihres Coms und las weiter
in dem Papier, das PIeCO veröffentlicht hatte. Es waren die ersten
Ergebnisse zu einem neuartigen Antrieb, der jene speziellen
Materialien einsetzte, die von jenen Sleepern aus den Wurmlöchern
kamen, um ständig zwischen zwei – theoretisch – stabilen
Zuständen zu wechseln. Gott, es war komplex! Und wohl auch noch
nicht ansatzweise so stabil, wie erhofft oder nötig. Naja, und nach
dem ersten Durchlesen hatte sie auch nur Bruchteile verstanden –
aber mittlerweile hatte sie sich durch einiges durchgearbeitet. Und
verstanden. Irgendwie zumindest.
20 Minuten später stand sie ihrem
Vater gegenüber und sie drückten sich herzlich. Wie lange hatte sie
ihn nicht gesehen? Ein halbes Jahr könnte durchaus schon vergangen
sein – beide waren zu sehr beschäftigt, um sich häufiger zu
sehen. Sie freute sich sehr, ihn wieder zu sehen, bemerkte aber auch
sofort, dass auch er angespannt war. Zumindest sonst hatte er sich
wenig verändert – die hellen blonden Haare (typisch für die du
Mondes) ließen bei Suche die ersten Ansätze von Weiß erkennen,
aber das war bei seinem Alter wenig überraschend. Sein Anzug stand
ihm wie immer, wenig verwunderlich bei seiner Figur. Aber seine Augen
hatten etwas den Glanz junger Jahre verloren in letzter Zeit. Ob er
zu viel arbeitete? Aber nun ja, er würde bald CEO sein, was sollte
man da erwarten.
„Komm erstmal mit. Wir haben wenig
Zeit, nachher können wir in Ruhe reden. Großvater wartet.“ dabei
zeigte er auf eine große, hölzerne Flügeltür und öffnete sie im
nächsten Moment auch.
Eliara folgte ihm und betrat einen
großen hellen Raum. Pflanzen aus den unterschiedlichsten Welten
erfüllten den Raum und einzig ein riesiger schwerer Tisch war in der
Lage, einen Akzent zu setzen gegen diese Vielfalt an Farben und
Gerüchen. Ein Holofenster zeigte das rege Treiben außerhalb des
Gebäudes und spendete gleichzeitig Licht. Ihr Großvater saß hinter
dem Tisch und erhob sich gemächlich, um ihnen entgegen zu kommen. Er
hatte mittlerweile noch mehr Zeichen seines Alters als beim letzten
Male, als sie ihn sah. Die Haut war fleckig und wirkte fast wie
Papier und auch seine Haltung war nicht mehr so gerade wie früher.
Er war wirklich alt, aber schon immer sehr glücklich damit und wenig
interessiert an all den Möglichkeiten, dem menschlichen Verfall
entgegen zu treten. „Jeder hat seine Zeit“, hat er immer gesagt,
„und meine habe ich sehr wohl genutzt.“ Als Gründer von MONDUE,
einem mittlerweile weithin bekannten Designer und Produzenten von
Schuhen, kann er dies wohl zurecht sagen...
„Schön, dass ihr gekommen seid.
Setzt euch, setzt euch.“ Er deutete dabei auf einige lederne
Stühle, um sich dann gemächlich wieder auf seinen Sessel zu setzen.
Dann musterte er kurz seine beiden Gäste und schmunzelte dann.
Eliara stellte fest, dass eine Augen immernoch das Leuchten von
früher hatten. So viel Lebenslust und Neugier und Humor konnte man
daraus lesen. Ja, es war nachwievor ihr Großvater, mit dem sie schon
als kleines Kind gespielt hatte!
„Und, Eliara, hast du es dir noch
einmal überlegt`“ frage er sie sodann und beide mussten schmunzeln
ob dieses … fast schon Rituals.
„Nein, ich werde nicht wie der Rest
meiner Familie Teil der Firma werden. Das weißt du doch. Dabei
bleibt es auch weiterhin.“ Sie versuchte, es etwas genervter
klingen zu lassen, als es mittlerweile war. Denn irgendwie war dieses
Spiel auch schön. Ja, doch, war es.
Er schüttelte kurz und gespielt
betrübt seinen Kopf und schaute sie dann wieder an. Ernster.
Deutlich ernster.
„Ich weiß, ich weiß. Eigene Wege
und so. Und ich kann dich ja verstehen. Zu gut sogar...“
Hm, das waren ja mal neue Töne!
Woher?!
„Aber so bist du halt, hab ich
mittlerweile auch verstanden. Und tatsächlich ist das vielleicht
sogar eher die Zukunft als alles andere.“
Leicht verwirrt, wollte Eliara etwas
einwerfen, kam aber nicht so weit – ihr Großvater redete einfach
weiter.
„Ich habe darüber in letzter Zeit
viel nachgedacht, weißt du? MONDUE war mir immer sehr wichtig, aber
letztlich, wenn man es auf das wenigste reduziert, bleiben wir. Nicht
die Firma, sondern wir, diese Familie, die wir sind. Das ist mir –
und auch deinem Vater und vielen anderen – das wichtigste. Diese
Familie zu erhalten und eine Zukunft zu geben.“
Eliara war verwirrt. Was war das denn
für eine Rede?! Ein Blick zu ihrem Vater machte ihr klar, dass
dieser durch sie und ihre Verwirrtheit durchaus erheitert war. Na
toll!
„Dein Vater und ich haben seid
einigen Jahren auf diese Zukunft hingearbeitet, Eliara. Und nun,
endlich, ein Angebot bekommen. Ein Angebot, das wir weder ablehnen
wollen noch können.“
Eliara war, eher selten, aber
vorkommend, sprachlos. Kurzzeitig. „Vater?! Was ist hier los?!“
Ihr Vater legte ihr seine Hand auf
die Schultern. „Alles ist gut, Eliara. Was Großvater sagen will
ist, dass wir die Gelegenheit haben, drei Mitglieder unserer Familie
zu Kapsulern zu machen. Unsterblichen. Die Zukunft der Menschheit
liegt letztlich dort, bei jenen, dies wissen wir alle. Und unsere
Familie hat die Chance, Teil dessen zu werden. Liebes, wir möchten,
dass du eine von jenen Drei bist.“
Geschockt schaute sie ihren Vater und
Großvater an. Sie – ein Engel des Todes?!
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